23. November 2017 Diskussion/Vortrag Kurze Geschichte der Türkischen Republik

Durch Vernichtung und Vertreibung zum ethnisch homogenen Nationalstaat

Information

Veranstaltungsort

Jazzkeller Djäzz
Börsenstr. 11
47051 Duisburg

Zeit

23.11.2017, 20:00 - 21:00 Uhr

Themenbereiche

Geschichte, International / Transnational

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Der Konflikt zwischen dem türkischen Staat und der kurdischen Bevölkerung ist einer der entscheidenden Faktoren, die die Geschichte und Gegenwart der Türkei bestimmen. Die politischen Debatten und Entscheidungen in vielen sehr unterschiedlichen Bereichen von der Bildungspolitik bis hin zur Außenpolitik lassen sich auf die sogenannte „Kurdenfrage“ zurückführen. Darüber hinaus ist der Konflikt für die geschichtliche Entwicklung und die aktuelle Lage des gesamten Nahen und Mittleren Ostens bedeutend. Dies nicht zuletzt dadurch, dass kurdische Bevölkerungsgruppen in vielen Staaten existieren und in vielen Staaten politisch relevante AkteurInnen hervorgebracht haben.

Die Geschichte des Konflikts zwischen der Türkei und der kurdischen Bevölkerung muss aufgearbeitet werden, um die gegenwärtigen Konflikte zu verstehen. Bisher konzentrierte sich die politische und wissenschaftliche Beschäftigung mit dem „Kurdenkonflikt“ auf die Gegenwart. Da eine historische Perspektive fehlt, bleiben die Verbindungen zwischen der staatlichen Homogenisierungspolitik der Türkei und den kurdischen Aufständen in den 1920er und 1930er Jahren vielfach unterbelichtet. Unbeachtet sind so die möglichen Auswirkungen dieser Entwicklung für die gegenwärtige politische Lage.

Die Etablierung eines türkischen Nationalstaats, einschließlich der Schaffung einer türkischen Nation ging einher mit der Vernichtung, Vertreibung und Marginalisierung von nicht-muslimischen und nicht-türkischen Bevölkerungsgruppen. Die Kurden waren als die letzte große nicht-türkische Gruppe in der Türkei das Haupthindernis für das kemalistische Staatsprojekt einer homogenen türkischen Nation. Zuvor waren die christlichen Bevölkerungsgruppen als nicht-türkisch deklariert worden der Vernichtung und Vertreibung ausgesetzt. Der Genozid an den Armeniern 1915 und die Vertreibung der übrig gebliebenen christlichen Bevölkerung im sogenannten „Türkischen Befreiungskrieg“ (1919-1923) sind zentrale Säulen dieser Gewaltpolitik. Die Kurden dagegen sollten als eigenständige Bevölkerungsgruppe aufgelöst und in die türkische Nation assimiliert werden. Dagegen wuchs Widerstand seitens der Kurden und in den kurdischen Gebieten im Osten der Türkei kam es immer wieder zur Aufständen, Militäroffensiven und Vertreibungen.

Der Politikwissenschaftler und Historiker Ismail Küpeli skizziert die bis heute nicht aufgearbeitete und in der Türkei selbst tabuisierte Geschichte der gewaltsamen Schaffung der Türkei und macht die Verbindungen zu den heutigen Konflikten deutlich.


Eine Veranstaltung in Kooperation mit Djäzz Jazzkeller Duisburg, StuPa-Fraktionen von Linke Liste Duisburg-Essen, Grüne Hochschulgruppe Duisburg-Essen

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