Dokumentation 6. Festival der Solidarität

Presse- und Meinungsfreiheit im Fokus — mit Podiumsdiskussionen, Lesung, Ausstellung und Theater

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07.11.2025 - 11.11.2025

Vom 7.-11. November 2025 fand das «6. Festival der Solidarität» in Köln statt, das vom Verein Stimmen der Solidarität organisiert wird. Das Kultur- und Diskursfestival widmete sich künstlerisch und politisch dem Themenfeld Freiheit, Repression, Migration und Widerstand. 

Das Festival wurde durch die Unterstützung zahlreicher Partner ermöglicht – unter anderem durch die Stadt Köln, das Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW und Soziokultur, das BMFSFJ mit dem Projekt Demokratie Leben, AWO, die Willi-Eichler-Akademie, das Friedensbildungswerk Köln, die Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW sowie weitere kulturelle Einrichtungen. 

Den inhaltlichen Auftakt bildete am 6. November die Lesung mit der armenischen Journalistin und Autorin Alin Ozinian im Friedensbildungswerk. Jürgen Wessling begrüßte die Gäste und stellte die neue Veranstaltungsreihe im Rahmen unseres Festivals vor. Die Journalistin Ezgi Özer moderierte den Abend und las gemeinsam mit Ozinian aus ihren Büchern. Die Passagen zu Erinnerungskultur, Identität und dem schwierigen Prozess gesellschaftlicher Verständigung berührten das Publikum spürbar. Die anschließende Diskussion machte deutlich, wie wichtig solche Begegnungen für Dialog, Empathie und Bewusstseinsbildung sind.

Am Freitagabend eröffneten Grup Üryan und Devrim Kavalli & Band das Festivalprogramm im Kulturbunker. Die rund 150 Besucherinnen erlebten einen musikalisch intensiven Abend, der zugleich politische Themen sichtbar machte. In seinen Begrüßungsworten unterstrich der Verein Stimmen der Solidarität, wie wichtig das Festival für die Sichtbarkeit politischer Gefangener und für verfolgte Künstler*innen geworden ist.

Am Samstag folgte die Ausstellung «Sus-Ma» («Schweig nicht») im Bürgerzentrum Ehrenfeld. Kuratiert von Adil Okay, zeigte sie Werke aus türkischen Gefängnissen und gab den Menschen hinter den Mauern eine Stimme. Die Beiträge von Adil Okay machten deutlich, wie schwierig künstlerisches Schaffen unter Haftbedingungen ist und wie notwendig die Dokumentations- und Solidaritätsarbeit bleibt.

Die anschließende Podiumsdiskussion zur Lage der Meinungsfreiheit in der Türkei moderierte Elmas Topçu. Dilan Kunt Ayan, Alin Ozinian, Yusuf Karadaş, Ümit Altaş und Kadir Akın diskutierten über die systematische Einschränkung der Pressefreiheit, die politische Instrumentalisierung der Justiz und die Situation politischer Gefangener. Sie machten deutlich, dass ein glaubwürdiger politischer Dialog in der Türkei ohne die Freilassung von Politiker*innen wie Selahattin Demirtaş und Figen Yüksekdağ sowie vieler anderer Inhaftierter nicht möglich ist. Die Beiträge zeigten eine bedrückende Realität, aber auch eine beeindruckende Entschlossenheit, trotz aller Repression weiter Widerstand zu leisten.

Der Blick richtete sich am Abend auf Deutschland: Unter der Moderation von Said Boluri diskutierten Lea Reisner, Gönül Eğlence und Heike Geisweid über die zunehmende Verschärfung des Asylrechts. Sie warnten vor einer schleichenden Aushöhlung der Menschenrechte und betonten, wie wichtig es ist, Betroffene politisch und gesellschaftlich stärker zu unterstützen.

Der Sonntag stand unter dem Motto «Özgürlük / Freiheit». Im Panel «Freiheit – Die Betroffenen sprechen» kamen Menschen zu Wort, die selbst viele Jahre im Gefängnis oder unter Repressionsdruck gelebt haben: Prof. Dr. Şebnem Korur Fincancı, Zizik Şahbaz, Nedim Türfent, Isminaz Temel, Özgür Sevinç Şimşek, Adil Okay und Mehmet Zeki Doğan, der erst 2024 nach 27 Jahren Haft freikam.

Die Berichte über Verfahren ohne rechtliches Gehör, über Folter, Isolation, Zensur und familiäre Trennungen gingen allen Anwesenden unter die Haut. Besonders bewegend war Mehmet Zeki Doğans Schilderung der Veränderungen im türkischen Strafvollzug – vom alten Zellensystem hin zu den heutigen F- und «Brunnen»-Gefängnissen, deren Ziel die vollständige Isolation und Zerschlagung von Solidarität ist. Gleichzeitig wurde deutlich, dass selbst unter härtesten Bedingungen nicht alle Formen von Widerstand ersticken können. Viele Redner*innen betonten, wie wichtig die Solidarität aus der Diaspora für ihr Überleben gewesen ist.

Am Nachmittag stellte Gül Güzel ihr Buch «Stimmen aus den Gefängnissen» vor und las aus Briefen politischer Gefangener, die über viele Jahre hinweg entstanden sind. Die Briefe zeigten eindrucksvoll, wie Menschen trotz Folter, Isolation und psychischem Druck Wege gefunden haben, ihre Würde zu bewahren und den Kontakt zur Außenwelt nicht abreißen zu lassen.

Ein großer emotionaler Höhepunkt war das Theaterstück «Uzağa Bakamamak» («Nicht in die Ferne schauen»), geschrieben von Adil Okay und auf die Bühne gebracht von Tülin Şahin Okay, begleitet von Araz Güler. Die eindringliche Solo-Performance brachte die inneren Stimmen politischer Gefangener zum Klingen. Sie verband Erinnerungen, Lieder, Schmerz und Widerstandskraft zu einem intensiven Bühnenmoment.

Am Dienstag, den 11. November, endete das Festival mit der Filmvorführung von «Red» von Kadir Akın im Filmhaus Köln. Der Film erzählt die Geschichte von Paramaz und den 19 armenischen Sozialisten, die 1915 hingerichtet wurden. Nach der Vorführung kam der Regisseur mit den Gästen ins Gespräch und diskutierte die historische Aufarbeitung sowie die Bedeutung politischer Erinnerung.

Mit all diesen Veranstaltungen ist es gelungen, ein starkes Zeichen gegen das Vergessen, gegen politische Repression und für Menschlichkeit, Verantwortung und Solidarität zu setzen. Das Festival hat gezeigt, wie viel Kraft in Kunst, Kultur, Erinnerung und gemeinschaftlichem Engagement liegt. Dank der Unterstützung der Vereinsmitglieder, Freund*innen, Kooperationspartner und Förderer konnte das Festival erneut ein Raum sein, in dem Stimmen gehört werden, die sonst zum Schweigen gebracht werden sollen.

Bericht: Stimmen der Solidarität - Mahnwache Köln e.V.

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