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Dokumentation : Amusing Ourselves to Death - Eine Polit-Oper stürzt ab

Nachrichten als Show, Politik als Spektakel: Was bleibt, wenn alles nur noch Unterhaltung ist?

Wichtige Fakten

Datum
22.05.2025 - 24.05.2025
Themenbereiche
Kommunikation / Öffentlichkeit, Digitaler Wandel, Kunst / Performance, Gesellschaftstheorie

Details

Wie beeinflussen Talkshows, Schlagzeilen und Algorithmen unser Verständnis von Politik? Wie sehr prägen mediale Inszenierungen den demokratischen Diskurs?

„Amusing Ourselves to Death“ verbindet zeitgenössische Musik, Medienkunst und theatralische Elemente zu einer Musikperformance. Inspiriert von Neil Postmans gleichnamigem Werk hinterfragt das Projekt kritisch die Trivialisierung politischer Inhalte und den Verlust echter Debattenkultur.

Fernsehen und digitale Medien sind nicht nur Bühnen für politischen Diskurs – sie sind seine Regisseure. Sie definieren, was sagbar ist, wie es gesagt wird – und vor allem: wie es wirkt. In Talkshows, deren Muster längst algorithmisch wirken, zeigt sich ein medialer Formwille, der komplexe Wirklichkeit in unterhaltsame Bildsequenzen presst. Der Konflikt wird formatiert, der Diskurs inszeniert, die Demokratie dramatisiert – und entkernt.

Was aber passiert, wenn wir diese Form selbst analysieren – als Partitur, als Choreografie, als Ritual? Dieses Projekt antwortet mit einer Musik-Performance, die „Politainment“ nicht inhaltlich abbildet, sondern seine akustische Rhetorik, mediale Ästhetik und theatralen Feedbackloops reflektiert, in eine alternative Form gießt und überzeichnet.

Was dabei entsteht, ist keine Abhandlung über Politik, sondern eine Versuchsanordnung: eine Quasi-Oper über die Medien, über die Politik. Eine Einladung, die Muster zu erkennen – oder sie zu hinterfragen und unser Verhältnis zu diesem „Amusement“ zu reflektieren.

In einer Zeit, in der künstlich erzeugtes Drama die Bühne beherrscht und seriöse Auseinandersetzungen verdrängt werden, setzt das Stück mit subversivem Humor an: Die radikale Kraft zeitgenössischer Musik und Beethovens Tiefgründigkeit prallen auf das oberflächliche Spektakel von Polittalks, Social Media und Deepfakes.

Das Asasello Quartett interpretiert eine eigens komponierte Partitur, basierend auf sprachlichen, formalen, schnitttechnischen und statistischen Analysen. Politische Schlagwörter werden zu choreografischen Motiven, Zustimmung und Protest erhalten eine akustische Präsenz, während die theatralische Inszenierung mediale Strategien entlarvt. 

„Amusing Ourselves to Death“ legt so die Machart moderner Medienpolitik offen und fragt: Was bleibt von politischen Inhalten übrig, wenn man sie aus ihrem medialen Kontext reißt?

Die Aufführungen von „Amusing Ourselves to Death – Eine Polit-Oper stürzt ab“ fanden vom 22. bis 24. Mai 2025 in der Halle der Alten Feuerwache Köln statt.

Am letzten Abend diskutierten im Anschluss Brigitte Baetz (Autorin und Redakteurin bei @mediasres, das Medienmagazin vom Deutschlandfunk) und PD Dr. Sandra Nuy (Privatdozentin für Medienwissenschaft, Universität Siegen) über „Politainment und demokratischer Diskurs – über mediale Inszenierungen und ihre politischen Wirkungen“. 

„Amusing Ourselves To Death“ wurde gefördert durch Kunststiftung NRW, NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste, NRW Kultursekretariat, Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW und Kulturamt der Stadt Köln. 

Die Podiumsdiskussion fand in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW statt.

Mehr Infos zum Projekt: klanghafen.de/AOTD.html

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