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5 October 2023 Discussion/Lecture Die nationalsozialistische Machtergreifung: Zwang oder Konsens?

Vortrag & Diskussion mit Prof. Richard J. Evans (Reihe „1933 – Niemals vergessen!“)

Information

Event location

Bergische Volkshochschule
Auer Schulstraße 20
42105 Wuppertal

Date

05.10.2023, 19:30 - 21:30 Hr

Themes

Politics of Memory / Antifascism, German / European History

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Die nationalsozialistische Machtergreifung: Zwang oder Konsens?

Seit der Jahrhundertwende gibt es eine deutliche Tendenz unter Historiker:innen, das sogenannte »Dritte Reich« als eine »Konsensdiktatur« darzustellen. Der kanadische Historiker Robert Gellately argumentiert z. B., dass die sogenannte nationalsozialistische Machtergreifung in Realität keine war. Gewalt sei nur gegen kleine, sozial marginale Minderheiten angewendet worden, und ab Mitte 1933 sei das System der Konzentrationslager rapide abgebaut worden, so dass sich dort zwei Jahre später weniger als 4 000 Gefangene befanden, ein Zeichen dafür, dass die Nationalsozialisten die Bevölkerung überhaupt nicht mehr einzuschüchtern brauchten. Die Gestapo, so Gellately und auch der Historiker Götz Aly, sei eine sehr kleine Organisation gewesen: sie war kein allesüberwachender Terrorapparat, sondern verarbeitete von einfachen Bürgern eingesandte Denunziationen. Die deutsche Gesellschaft sei deshalb eine »selbstüberwachende Gesellschaft« gewesen.

Die Mitte der 1990er Jahre von Eric A. Johnson und Karl-Heinz Reuband durchgeführte Befragung von älteren Deutschen, die das »Dritte Reich« miterlebt hatten, ergab, dass sich die überwiegende Mehrheit der Befragten im Rückblick nie gefürchtet hatte, von der Gestapo verhaftet oder in ein Konzentrationslager verschleppt zu werden. Auf der anderen Seite wird argumentiert, dass das Bild einer totalen Integration der Arbeiterschaft in die rassistisch bedingte nationalsozialistische »Volksgemeinschaft« ebenso einseitig sei; die Begriffe einer »sich-selbst überwachende Gesellschaft« oder einer »Zustimmungsdiktatur« (Götz Aly) unterschätzten sehr stark die terroristischen Elemente der nationalsozialistischen Herrschaft.

In seinem Vortrag unternimmt Richard J. Evans eine kritische Auseinandersetzung mit beiden Seiten der Kontroverse und versucht, zu einem abgewogenen Ergebnis zu kommen.

Richard J. Evans wurde 1947 geboren und ist in London aufgewachsen. Studium an der Universität Oxford, Lehrtätigkeit in London und Cambridge. Seit 2014 ist er emeritierter Professor an der Universität Cambridge. Zahlreiche seiner Bücher sind auf Deutsch erschienen, u. a.: Das Dritte Reich (3 Bde., DTV 2005-2010), Das europäische Jahrhundert (DTV 2016) und Das Dritte Reich und seine Verschwörungstheorien (DVA 2020).


Veranstaltungsreihe „1933 – Niemals vergessen!“ Programm 2. Halbjahr (pdf)

Veranstalter:innen: Verein zur Erforschung der sozialen Bewegungen im Wuppertal in Kooperation mit Center for International Studies in Social Policy and Social Services der Bergischen Universität Wuppertal, Arbeit und Leben Berg-Mark, Rosa Luxemburg-Stiftung NRW, AStA der Bergischen Universität Wuppertal, GEW Stadtverband Wuppertal, Armin T. Wegner-Gesellschaft.

Diese Veranstaltung in Kooperation mit der Bergischen Volkshochschule und der Buchhandlung Mackensen

Location

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Rosa-Luxemburg-Stiftung Nordrhein-Westfalen

Phone: 0203 3177392