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Nachricht , : Poppinga: Studieren bei Professoren, Bauern und Alten Linken; Hamm 2025

Zwischen Landwirtschaft und APO

Wichtige Fakten

Details

Onno Poppinga beschreibt in diesem Buch sein Leben zwischen Mitte der 1960er und Mitte der 1970er Jahre. Der Bauernsohn aus Ostfriesland begann 1966 in Stuttgart-Hohenheim ein Studium der Landwirtschaft, war dann einer der wenigen undogmatischen Linken, die sich damals für Landwirtschaft interessierten. Er ist bis heute, nachdem er mit nur 32 Jahren 1975 auf eine Professur an der neugegründeten Gesamthochschule in Kassel berufen wurde, einer der intellektuellen Köpfe der Bewegung für eine bäuerliche und sozial-äökologische Landwirtschaft (1).

Poppinga beschreibt sein Studium und seine Arbeit zuerst als Hilfskraft und dann als Doktorand beim ehemaligen KPO (Kommunistische Partei-Opposition)-Mitglied Theodor Bergmann (1916-2017) der bis 1981 in Hohenheim eine Professur für Vergleichende und Internationale Agrarpolitik innehat. Er trifft auch andere bekannte Linke aus Stuttgart, und arbeitet mit ihnen zusammen, etwa den IG-Metaller Willi Bleicher (1907-1981), den Sozialisten, Betriebsrat und Naturfreund Fritz Lamm (1911-1977) oder den unabhängigen Daimler-Betriebsrat und späteren Bundestagsabgeordneten der Grünen, Willi Hoss (1929-2003). Diese meist aus den Zwischengruppen kommenden oder von ihnen politisch beeinflussten Linken beeindrucken durch ihre Geschichte die jüngeren der nachfolgenden Generation und stellen die Verbindung zurück bis zur Weimarer Zeit und zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus her. Die Zwischengruppen waren jene kleineren Parteien zwischen der SPD und der KPD, die für einen nicht-stalinistischen und undogmatischen Kommunismus standen. Poppinga ist im Sozialistischen Büro, dessen bundesweitem Arbeitsfeld Landwirtschaft, im Club Voltaire (der in Stuttgart von 1964 bis 1971 existierte) und dann im Sozialistischen Zentrum in Stuttgart aktiv. Nebenbei arbeitet er für Radio und Film, reist politisch und beruflich viel.

Thematisch widmet er sich in diesen Jahren unter anderem dem Bewusstsein von Arbeiter-Bauern, also Nebenerwerbslandwirten, die in der Industrie arbeiten. Selbstverständlich wird Marx kritisch gelesen, besonders im Hinblick auf seine Aussagen zur Landwirtschaft, und die gelehrte, herrschende Agrarökonomie kritisiert. Durch Kontakte nach Frankreich kommt die Forderung nach Staffelpreisen für Agrarprodukte, also für Preise je nach Größe des produzierenden landwirtschaftlichen Betriebes, nach Deutschland.

1970 schon ist das Diplom erreicht, 1973 erfolgt die Promotion, die 1975 als «Bauern und Politik» in der gewerkschaftlichen Europäischen Verlagsanstalt als umfangreiches Buch erscheint. 1976 wird das «Bauernblatt» gegründet, das zwangsweise umbenannt in «(Unabhängige) Bauernstimme» bis heute als die Zeitung der «Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft» monatlich erscheint.

Zwar werden Feten, Freundschaften und antiautoritäre Kinderläden erwähnt, das Privatleben hat in Poppingas beeindruckendem Buch leider nur wenig Raum. Denn Poppinga ist verheiratet und bereits seit 1966 Vater einer Tochter; über eine Vereinbarkeitsproblematik wird jedenfalls nicht berichtet, ebenso vergleichsweise wenig über Frauen unter den Bauern, Professoren und Alten (und Neuen) Linken.

Onno-Hans Poppinga: Studieren bei Professoren, Bauern und Alten Linken; AbL Verlag, Hamm 2025, 148 Seiten, 15 Euro

(1) Vgl. auch die anlässlich seiner Emeritierung erschienene «Festschrift»: Autorenkollektiv (Hrsg.): Gegenwind aus Ostfriesland: Bäuerliche Landwirtschaft und Agrarpolitik. Ein Buch von und für Onno Poppinga; Hamm 2009, auf rosalux.de hier besprochen

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