Publikation Rosa Luxemburg Was hat Rosa Luxemburg heute noch zu sagen?

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Artikel

Autorin

Julia Killet,

Erschienen

September 2009

Was hat die Revolutionärin Rosa Luxemburg heute noch zu sagen? Damit beschäftigte sich die Regisseurin Anja Gronau in ihrem Stück „Rosa - Ich war, ich bin, ich werde sein”, das gestern im FFT Juta aufgeführt wurde. Gleich drei Schauspielerinnen stellten die fassettenreiche Persönlichkeit der Sozialistin Rosa Luxemburg dar.

Da ist die analytisch-theoretische Denkerin im klassischen schwarzen Kostüm,  die mit Zahlen um sich schmeißt, an ihrer Doktorarbeit über Polens industrielle Entwicklung schreibt, Marx' Kapital ergänzt und selbst im Schlaf noch von Akkumulation und Systemimmanenz spricht. Daneben erscheint die sehnsüchtig Liebende, die ellenlange Briefe an „Leo” (Jogiches) schreibt und aus dem Fenster des Gefängnisses Buchfinken, Spatzen und Tauben beobachtet. Aus dieser verträumten und etwas melancholischen Gefühlswelt gelingt es der dritten Figur, der Agitatorin, sich immer wieder herauszureißen, denn nur durch die Revolution ist nach Rosa Luxemburg eine besser Zukunft für alle Menschen auf der Welt möglich.

Doch dazu muss noch viel erledigt werden: „Ich schreibe Flugblätter, ich Briefe und du schreibst die Einführung in die soziale Ökonomie zu Ende”, rufen sich die Rosas zu und beginnen flink mit der Arbeit.

Doch wer ist heutzutage die proletarische Masse, für die Rosa Luxemburg vor mehr 100 Jahren kämpfte. Auch darauf hat Gronau eine Antwort: Nämlich das Prekariat, die Ein-Euro-Jobber, Angestellte, ausgebeutete Praktikanten, Kurzarbeiter und Leiharbeiter. Die Rosas auf der Bühne klagen die gegenwärtige Gesellschaft an, die verstanden hat, dass sich der Kapitalismus in der Krise befindet und trotzdem „dem Neoliberalismus von Merkel und Westerwelle wieder zur Macht verhilft.” Außerdem fehle das Bewusstsein für die Natur. Niemanden würde es  interessieren, dass im Meer ganze Strudel von Müll vor sich her brausen und Kreuzfahrtschiffe munter und unkommentiert außen rum fahren würden.

Gronau bindet die Zuschauer ein, lässt sie das Vermögen der reichsten Milliardäre in Deutschland in Zahlen lesen, was nicht jedem gelingt, denn Milliarden-Beträge bekommen normale Bürger nicht täglich zu sehen. Rosa Luxemburg ist entsetzt über die moderne Zeit: „Gibt es hier noch denkende Menschen oder nur noch Konsumenten”. Aber auch über den so genannten Kommunismus in China, Russland und der DDR regt sie sich auf: „Das war so viel Sozialismus wie Geld in der Finanzblase ist”, kritisiert sie. „Wenn sie mich nicht umgebracht hätten, wäre das nicht passiert”.

 Die Hoffnung auf eine bessere Welt bleibt am Ende des Stückes bestehen. Rosas Geist erklingt unter dem Gesang der Vögel und dem Rauschen des Baches weiter. Zum Schluss bekommt das Publikum noch einen Gedanken Rosa Luxemburgs auf den Weg: „Niemand ist hoffnungsloser,  als der, der fälschlicher Weise glaubt, frei zu sein”, sagen die drei Persönlichkeiten und erstarren in tosendem Applaus.