Spätestens seit den Massenprotesten zum Jahresbeginn 2024, als knapp 2 Millionen Menschen gegen die Deportationspläne von AfD und Co. demonstrierten, wird fast ständig davon gesprochen, dass «unsere Demokratie» verteidigt werden müsse. Doch welche Demokratie ist hier gemeint?
Grund- und Menschenrechtsorganisationen, soziale Bewegungen und kritische Wissenschaftler*innen dokumentieren und kritisieren seit vielen Jahren den Umbau von bürgerlichen Demokratien zu postdemokratischen, illiberalen oder autoritären Regierungsformen: von der faktischen Abschaffung des Asylrechts über die tendenzielle Vollüberwachung digitaler Kommunikation und öffentlicher Räume bis zu repressiven Polizeigesetzen und Einschränkungen der Versammlungsfreiheit.
Zudem erfahren marginalisierte Personen bereits jetzt leere demokratische Versprechungen. Andere erleben durch Ausschluss oder Verfolgung längst die Faschisierung am eigenen Leib.
Am 27. September bieten wir einen Raum, um über strukturelle Begrenzungen und emanzipatorische Visionen von Demokratie zu diskutieren:
In was für einer Demokratie wollen wir leben? Was ist das, was wir aktuell erleben und welche Worte sind dem angemessen?
Wie sehen progressive Visionen von Demokratie und Mitbestimmung aus? Was bedeutet «radikale Demokratie» oder «abolitionistische Demokratie» und wie kämen wir dahin?
Wo wird Demokratisierung erkämpft und von wem? Welche Beispiele für ein besseres Morgen gibt es schon heute?
Gäste sind unter anderem Achan Malonda, Jonna Klick, Christian Leonhardt, Daniel Loick und die Initiative «Pass(t) uns allen».
Die Vorabendveranstaltung zum Thema «(Un-)Demokratische Gefühle» am 26. September, um 18:30 Uhr, wird auf die Konferenz am Folgetag einstimmen. Am Sonntag nach der Konferenz (28. August, 12-16 Uhr) gibt es die Möglichkeit am Community Brunch, zusammen mit der Abolitionismus Konferenz «Abolitionist Democracy» teilzunehmen (Ort: Pflanzstelle Köln-Kalk).
Hinweis Aufzeichnung: Die Inputs und die Diskussionen werden als Audio aufgezeichnet (einzelne Beiträge auf Wunsch anonymisiert) von Radio Nordpol.
Die Plätze für das Wochenende sind aufgrund der räumlichen Gegebenheiten auf 80-100 Plätze begrenzt. Die Anmeldung für einzelneTage ist möglich. Wir bitten um eine rechtzeitige Anmeldung über dieses Formular.
Programm
Freitag, 26. September 18:30 Uhr, Vorabendveranstaltung
«(Un-)demokratische Gefühle? Die Rolle von Affekten und Emotionen im aufkommenden Faschismus»
Sevda Can Arslan im Gespräch mit dem Autor und Forscher Simon Strick
Ort: Alte Feuerwache (Großes Forum), Melchiorstraße 3, 50670 Köln
Samstag, 27. September, von 10:00 - 18:30 Uhr
Ort: Alte Feuerwache (Großes Forum), Melchiorstraße 3, 50670 Köln
10:00 – Ankommen, Begrüßung und Organisatorisches
Einführung in den Tag, Vorstellung des Ablaufs und erste Orientierung.
10:15 – 11:00 Keynote: Vom Mythos der deutschen Demokratie – Achan Malonda
Wo stehen wir gerade? Ein analytischer Einstieg zur Verortung des Zustands der deutschen Demokratie, sowie autoritärer und faschistischer Tendenzen.
11:00 – 12:30 Parallele Workshops – Grundlegende Kritik an liberalen Demokratievorstellungen:
1) Grenzen der Zugehörigkeit: Staatsbürgerschaft & Grenzregime – Mihir Nayak und Elizaveta Khan von der Initiative «Pass(t) uns allen»
In dem Workshop werden Ausschlüsse im Aufenthalts- und Wahlrecht sowie hierarchisierte Zugänge zu gesellschaftlicher Teilhabe analysiert. Antirassistische Perspektiven auf Grenzregime und Kämpfe um Teilhabe stehen dabei im Fokus und gemeinsam wird sich der Frage angenähert, wie eine grenzenlose Welt, außerhalb von Nationen, aussehen kann.
2) Ökonomie, Demokratie und Ausschluss – Jonna Klick
Diskutiert wird die fehlende demokratische Mitgestaltung ökonomischer Verhältnisse, welche soziale Ungleichheit verfestigt. Darüber hinaus wird es darum gehen, wie kapitalistische Strukturen Teilhabe beschränken und Demokratie dadurch fundamental begrenzt bleibt.
3) Mehr als Wahlen, mehr als Staatsform: Liberalismus, Parlamentarismus und seine Grenzen – Michèle Winkler (Grundrechtekomitee) & Daniel Loick
Analyse und Kritik eines Demokratieverständnisses, das auf Wahlen und Mehrheitsentscheidungen reduziert ist und Demokratie nur als Staatsform begreift. Im Zentrum stehen staatskritische und anarchistische Perspektiven, die über den engen Rahmen repräsentativer Demokratie hinausweisen.
12:30 – 13:30 Mittagspause
13:30 – 17:30 Impulse & Gespräch 1: Konkret-utopische Ansätze
Wo wird Demokratisierung erkämpft und von wem? Welche Beispiele für ein besseres Morgen gibt es schon heute?
Abolitionistische Demokratie – Daniel Loick
Radikale Demokratie – Christian Leonhardt
14:30 – 14:50 Pause
14:50 – 16:20 Impulse & Gespräch 2: Konkret-utopische Ansätze
Wo wird Demokratisierung erkämpft und von wem? Welche Beispiele für ein besseres Morgen gibt es schon heute?
Commonisierung – Jonna Klick
Demokratische Wirtschaftsplanung - N.N.
Kommunalismus – Netzwerk für Kommunalismus
16:20 – 16:40 Pause
16:40 – 17:30 Konkret-utopische Ansätze und Praxen – Gemeinsame Diskussion
Zusammenführung & gemeinsame Diskussion der Impulse: Wo ergänzen sich Ansätze, wo liegen Widersprüche? Welche Fragen ergeben sich für uns?
17:45 – 18:25 Abschlussdiskussion: (Neue) Demokratie gesucht (FishBowl)
18:25 – 18:30 Abschluss & Ausblick
Hinweise Barrierefreiheit für die Konferenz am Samstag
- Das Große Forum der Alten Feuerwache sowie eine rollstuhlgerechte Toilette sind stufenlos über einen Aufzug erreichbar.
- Die Veranstaltung findet in deutscher Lautsprache statt.
- Bei vorheriger Anmeldung wird am Samstag eine Verdolmetschung in Deutsche Gebärdensprache (DGS) angeboten. Bitte dafür im Formular anmelden.
- Das Große Forum besitzt eine Induktionsschleife für Nutzende von Hörgeräten.
- Am Samstagvormittag werden zwischen 11:00 und 12:30 Uhr drei parallele Workshops stattfinden. Zwei der drei Workshopräume (Kleines Forum & Versammlungsraum) sind leider NICHT barrierefrei zugänglich.
Die Veranstaltung wird vom Komitee für Grundrechte und Demokratie e.V. in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW organisiert und von der Sebastian Cobler Stiftung und Movement Hub unterstützt.
Standort
Kontakt
Rosa-Luxemburg-Stiftung Nordrhein-Westfalen
E-Mail: post@rls-nrw.de
Telefon: 0203 3177392