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Publikation : „Mit den Leninisten können wir nicht weiter zusammengehen…“

oder: Wie Lenin Rosa Luxemburg „besiegte“

Wichtige Fakten

Reihe
Online-Publ.
Erschienen
Dezember 2022

Details

In den Monaten vor dem Ersten Weltkrieg fochten Rosa Luxemburg und Lenin nicht die Nationalitätenfrage, sie fochten einen ganz anderen Kampf aus. Worum es wirklich ging, klingt in Lenins drittem Anklagepunkt an: „… sie irrte, als sie im Juli 1914 neben Plechanow, Vandervelde, Kautsky u. a. für die Vereinigung der Bolschewiki mit den Menschewiki eintrat“. Was, bis auf dem Umstand, dass Rosa Luxemburg irrte, in der Tat richtig ist – nur dass dieser Kampf nicht erst im Juli 1914, sondern seit 1906 tobte und zwischen 1910 und 1913 eskaliert war.

Mitten in dieser Auseinandersetzung hatte Rosa Luxemburg öffentlich und offiziell mit Lenin gebrochen – auf Polnisch und daher in Westeuropa unbemerkt. Aber selbst wenn die Kunde von diesem Bruch nach Westeuropa gedrungen wäre, hätte es dort niemanden interessiert. Denn die Linke in Westeuropa war schon lange nur noch genervt von den Querelen in der russischen Sozialdemokratie, zu der seit 1906 auch die Sozialdemokratie des Königreiches Polen und Litauens (SDKPiL), Rosa Luxemburgs Partei, sich zählte: unreife Russen, die nichts fertigbringen, außer sich gegenseitig der Unfähigkeit und des Verrates zu bezichtigen.

Lenin war vor 1917 zweifellos auch in Westeuropa schon kein Unbekannter, galt aber – z.B. anders als Trotzki – nicht gerade als Magnet für Sympathiebekundungen, sondern eher als jemand, der bei Differenzen „persönlich wurde“, zu Beleidigungen griff und fehlende Gedanken durch Schimpfereien zu überdecken suchte. Die, die ihn persönlich kannten, konnten – vielleicht abgesehen von Clara Zetkin, der Sekretärin der Frauen-Internationale – ihm nicht viel bis gar nichts abgewinnen.

Der ungezeichnete, hier erstmals wieder veröffentlichte Text Rosa Luxemburgs aus dem Juli 1912 war überhaupt erst der zweite Artikel, in dem sich die SDKPiL mit den Bolschewiki und im Besonderen mit Lenin öffentlich auseinandersetzte – zumeist hatten sich die Führer der SDKPiL gegenüber den Bolschewiki zurückgehalten, weil sie in ihnen natürliche, wenn auch unberechenbare Verbündete sahen.

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