Feminismus / Geschlechterverhältnisse

Was ist linker Feminismus, der mehr will als die „Hälfte vom verschimmelten Kuchen“ oder einen „Fensterplatz auf der Titanic“? Was lässt sich lernen aus der Geschichte der Frauenbewegung(en), aus ihren Kämpfen und ihren „erfolgreichen Niederlagen“, aus ihrer Theorie und Praxis?

Wie und zu welchem Nutzen werden Geschlecht und Arbeitsteilung Tag für Tag aufs Neue hergestellt und ideologisch abgesichert? Inwiefern sind Geschlechterverhältnisse stets auch Produktionsverhältnisse – und umgekehrt? Wie sind Sexismus, Rassismus, globale Ausbeutung und die soziale Frage miteinander verzahnt?

Warum sind feministische und queere Kritiken so notwendig wie eh und je? Brauchen wir eine Care-Revolution als Antwort auf die Krise der Reproduktion und die Geringschätzung der Sorgearbeit? Wo setzen wir an, um etwas zu verändern?

Themen-Seiten der Rosa Luxemburg Stiftung:

Veranstaltungen

SAVE THE DATE
9.-11. Oktober 2020, ver.di Bildungszentrum Gladenbach
Feministische Herbstakademie


Dokumentationen

Grafik: Saskia Rudies

Feminist Futures Festival

12.09.2019 - 15.09.2019, Essen

Das internationale Festival auf der Zeche Zollverein brachte drei Tage lang Feminist*innen aus unterschiedlichen Ländern und mit verschiedenen Erfahrungen und Hintergründen zusammen, um miteinander zu diskutieren und voneinander zu lernen. Involviert waren viele lokale und überregionale Unterstützer*innen. Es gab Podien und Workshops für theoretische ebenso wie praxisnahe Fragen. Es gab Zeit für Trainings und Gesprächsrunden. Wir haben an ältere feministische Praxen der «Selbsterfahrung» angeschlossen und über feministische Gesundheit genauso gelernt, wie über transformatives Organizing. Auch unterschiedliche Formen künstlerischer und kultureller Beiträge waren zentraler Bestandteil des Programms.

Organisiert von Rosa-Luxemburg-Stiftung, Netzwerk Care Revolution und Konzeptwerk Neue Ökonomie

Weitere Infos und Perspektiven vom Festival zum Nachlesen, Anschauen und Reinhören


Vernetzungstreffen Frauen*streik 2019

26.01.2019, Oberhausen

Wir wollen in die Fußstapfen der streikenden Frauen* von 1994 treten, uns gemeinsam an die Kämpfe erinnern und an ihnen anknüpfen. Es gibt viele Gründe für einen feministischen Streik auch in Deutschland. Wir werden die festgefahrenen und diskriminierenden Strukturen nicht weiter hinnehmen und wollen gemeinsam unsere Gesellschaft zu einer besseren machen. Wie kann das aussehen? Das wurde beim Vernetzungstreffen in Vorbereitung auf dem Frauen*streik 2019 diskutiert. Eine Aktivistin berichtete von dem Frauen*streik in Spanien und Erfahrungen vom Frauen*streik 1994, bei dem circa 1 Million Frauen* gegen schlechte Arbeitsbedingungen, den Abbau von Sozialleistungen und für ein Recht auf körperliche und sexuelle Selbstbestimmung gestreikt hatten, wurden ausgetauscht.

Weitere Infos und zur Videodokumentation


Geschlechterverhältnisse in der Krise

10.10.2009

Die Wirtschaftskrise fegt über den High Tech-Kapitalismus hinweg. Regierungen versuchen, durch Reregulierung und Konjunkturprogramme den Absturz ihrer Volkswirtschaften zu bremsen. Weniger sichtbar, aber genauso berührt von der Krise sind die Geschlechterbeziehungen, denn Geschlechterverhältnisse sind Produktionsverhältnisse. Zu den Ursachen der Krise zählt auch eine überkommene patriarchale Arbeitsteilung. Frigga Haug kritisiert die herrschende Politik und Ökonomie und stellt emanzipatorische Lösungen wie die Vier-in-Einem-Perspektive vor.

Organisiert von RLS NRW, in Kooperation mit dem Rosa Luxemburg Club Aachen und dem Marxlesekreis an der RWTH Aachen

Audio-Mittschnitt des gleichnamigen Vortrags von Prof. Dr. Frigga Haug


Publikationen

Alle Illustrationen von Marie Geißler: mariegeissler.de

Ist doch ein Kompliment ... Behauptungen und Fakten zu Sexismus

Reihe: luxemburg argumente
Autorin: Anna Schiff
Erschienen: Dezember 2018

«Das ist doch kein Sexismus, das ist doch ein Kompliment …» Wer Sexismus zum Thema macht, hört nicht selten solche Sätze. Sie geben deutlich zu verstehen: Hier gibt es kein Problem, hier muss über nichts gesprochen werden. Und wenn es hier ein Problem geben sollte, dann ist es dein privates. 

Sexismus ist in unserer Gesellschaft allgegenwärtig. Gleichwohl ist es schwer, Sexismus da zu benennen, wo er auftaucht. Umso wichtiger ist es, dass wir uns darüber verständigen, wenn wir es mit Sexismus zu tun haben.

Diese Broschüre will den Blick dafür schärfen, dass Sexismus ein strukturelles und interaktionelles Problem unserer Gesellschaft ist, das angegangen werden muss. Wer Sexismus thematisiert, stellt immer auch die Frage nach der Macht, nach ihrer ungleichen Verteilung und nach den Strategien, mit denen diese Verhältnisse aufrechterhalten werden. Deshalb liefert diese Broschüre Argumente, um gängige Mythen und abwehrende Behauptungen, die dazu dienen, ein Sprechen über Sexismus zum Schweigen zu bringen, zu entkräften und ungleiche Machtverhältnisse und strukturelle Ungleichheit als das zu benennen, was sie sind: Sexismus.

Zu guter Letzt ist diese Broschüre aber auch ein Appell: Sexismus ist von Menschen gemacht, also können wir ihn auch abschaffen. Soziale Bewegungen, wie die Frauenbewegungen, haben schon viel erreicht, und sie werden noch mehr erreichen. Gehen wir’s an.

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Wandbild zum 34. Plurinationalen Treffen von Frauen, Lesben, Trans*, Travestis, Bisexuellen und Nicht-Binären (Oktober 2019, Argentinien) Foto: Alex Wischnewski

8 Thesen zur feministischen Revolution. Impulse aus Argentinien, wo alles begann

Reihe: Buch/ Broschur
Autorin: Verónica Gago
Erschienen: Februar 2020

Die Bewegung für einen internationalen feministischen Streik setzt derzeit ungeahnte Kräfte frei und verändert die politische Grammatik in einer Vielzahl von Ländern. Als am 8. März 2019 das erste Mal auch in Deutschland zum Streik aufgerufen wurde, traf das offensichtlich einen Nerv. In kurzer Zeit gründeten sich über 40 lokale und regionale Netzwerke, an den bundesweiten Streikversammlungen beteiligten sich mehrere Hundert Feminist*innen mit unterschiedlichsten Hintergründen und die dezentralen Aktivitäten und Demonstrationen am 8. März zeigten nicht nur eine neue Kreativität und Kraft, sondern überstiegen auch die Zahlen der vergangenen Jahre, ja Jahrzehnte. Rund 80.000 Menschen gingen im ganzen Land auf die Straße.

Und trotzdem kam danach die kritische Frage auf, wie denn bloß der feministische Streik dieselbe Größenordnung wie in anderen Ländern erreichen kann. Sehnsüchtig richtet sich der Blick nach Argentinien, wo die weltweite Bewegung angestoßen wurde.

Die Autorin Verónica Gago war und ist bei all dem mitten drin und markiert diese Situiertheit in der argentinischen Bewegung als Ausgangspunkt. Die vorliegenden Thesen sind deshalb eine militante Untersuchung: Sie sind nicht nur eine Dokumentation der Ereignisse, sondern auch Teil eines kollektiven Organisierungsprozesses.

Die Thesen von Verónica Gago entstammen der kollektiven Praxis und sind auch für sie gemacht. Sie eignen sich in besonderer Weise dafür, zusammen gelesen und diskutiert zu werden.

Aus dem Vorwort von Alex Wischnewski  (Programmleiterin Feminismus, Rosa-Luxemburg-Stiftung)

  • Verónica Gago ist Teil von NiUnaMenos, Mitbegründerin des militanten Forschungskollektivs Colectivo Situaciones und Professorin für Soziologie an den Universitäten von Buenos Aires und San Martín. Sie ist Autorin zahlreicher Artikel in Zeitschriften und Büchern, die in Lateinamerika, Europa und den USA veröffentlicht wurden. Die Thesen stammen aus ihrem neuesten Buch «La potencia feminista», das im Laufe diesen Jahres bei Verso Books auf Englisch erscheinen wird.

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