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12. März 2023: Film : Pierburg: Ihr Kampf ist unser Kampf

Film aus der Reihe "Ihr Kampf ist unser Kampf - Streik 1973 und darüberhinaus"

Wichtige Fakten

Veranstaltungsort

Kölner Filmhaus
Maybachstr. 111
50670 Köln

Zeit
12.03.2023, 12:00 - 14:00 Uhr
Themenbereiche
Parteien- / Bewegungsgeschichte, Arbeit / Gewerkschaften, Geschlechterverhältnisse, Soziale Bewegungen / Organisierung
Zugeordnete Dateien

Beschreibung

Eintritt 8 €

Als 1973 migrantische Arbeiterinnen des Automobilzulieferers Pierburg die Arbeit niederlegten, kam es zu einem von über 300 wilden Streiks in dieser Zeit. Einige von ihnen - unter diesen auch der wilde Streik in den Kölner Fordwerken - setzten sich insbesondere mit den Arbeits- und Lohnbedingungen der migrantischen Belegschaften auseinander. Insbesondere in Pierburg waren rassistische und sexistische Strukturen in den Lohnhierarchien offensichtlich. Bei gleicher Tätigkeit befanden sich die Migrantinnen auf der untersten Stufe der Lohn- und Beschäftigungsskala, darüber standen die wenigen deutschen Arbeiterinnen, gefolgt von den männlichen Migranten. In den hohen Lohngruppen waren ausschließlich deutsche Männer beschäftigt.

Die Streikenden kämpften für die Abschaffung der untersten Lohngruppe, die Angleichung ihrer Löhne und gegen ihre separate Unterbringung in Wohnheimen auf dem Werksgelände.
Obwohl die Unternehmensleitung hart auf den Streik reagierte, mit massiver Einschüchterung arbeitete und Beschäftigte festnehmen ließ, solidarisierten sich mit fortschreitenden Streiktagen zunehmend deutsche Arbeiter:innen bis die ganze Produktion stoppte. Die Geschäftsleitung weigerte sich, mit den Streikenden zu verhandeln, was trotz zunehmend brutalen Einsätzen der Polizei zu einer Zunahme an Solidarität unter den Beschäftigten führte. Der Pierburg-Streik ist damit ein seltenes und wichtiges Beispiel für das Durchbrechen der rassistischen Hierarchisierung in deutschen Betrieben. Nur vier Tage vor Beginn des Kölner Fordstreiks gelang den Streikenden die Durchsetzung ihrer Forderungen. Es wurde auf Entlassungen verzichtet, die Streiktage wurden bezahlt, es gab Lohnerhöhungen und die erstmals wurde die Abschaffung der „Leichtlohngruppe II“, in der nur Frauen beschäftigt waren, erkämpft.

Der Kölner Frauengeschichtsverein möchte in Kooperation mit der Rosa Luxemburg Stiftung NRW an dieses wichtige Ereignis der Migrations- und Frauengeschichte erinnern und zugleich die Frage stellen, was wir heute aus Ereignissen wie dem Pierburg-Streik ziehen können, um angesichts des Internationalen Frauentags und des Equal Pay Days (7.3.2023) weiter für bessere, gerechte Arbeits- und Lebensbedingungen kämpfen zu können und dabei auch migrantische Anerkennungskämpfe mitzudenken.
 
Aurora Rodonò, Migrationsforscherin und Diversity Managerin, führt in den Film von Edith Marcello und David Wittenberg ein und moderiert im Anschluss eine Diskussion, in der Laura R. Beische und Irem Adigüzel unter anderem das Projekt der autonomen Referate „für antiklassistisches Empowerment“ und „BIPoC“ der Universität zu Köln vorstellen, für das sie Zeitzeuginnen des Streiks interviewt haben.

Mehr Informationen zum Pierburg-Streik:
https://domid.org/news/pierburg-streik-solidaritaet-unter-arbeiterinnen/
Zeitzeug:innen-Projekt: https://bipoc.uni-koeln.de/ueber-uns/kooperationsprojekte/frauenstreik


In Kooperation mit dem Kölner Frauengeschichtsverein.

 

Standort

Kontakt

Rosa-Luxemburg-Stiftung Nordrhein-Westfalen

Telefon: 0203 3177392

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