28. September 2023 Diskussion/Vortrag Zwischen Kampf, Repression und Hoffnung: Die Frauenbewegung in Chile als Motor gesellschaftlicher Umwälzungen

Ein Austausch mit chilenischen Feministinnen

Information

Veranstaltungsort

Süsterkirche
Güsenstr. 22
33602 Bielefeld

Zeit

28.09.2023, 19:30 - 22:00 Uhr

Themenbereiche

Parteien- / Bewegungsgeschichte, Geschlechterverhältnisse, Soziale Bewegungen / Organisierung, Cono Sur

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Einlass ab 19:00 Uhr

Feministische Perspektiven für eine radikale Politik in Chile nach dem Aufstand von 2019

In den sozialen Unruhen des Jahres 2019 in Chile spielte die feministische Bewegung des Landes eine herausragende Rolle. Im Vorfeld dieses Aufstandes im Herbst 2019 waren es die Manifestationen der Frauenbewegung und der feministische Streik zum 8. März, die Furore machten. Die Erfahrungen dieser Proteste und der Bezug zur Repression des Militärputsches von 1973, der sich dieses Jahr zum 50sten Male jährt, diskutieren wir mit chilenischen Aktivistinnen, die - organisiert von der Roten Hilfe e.V. und Chilesoli.22 -  zur Zeit eine Inforeise durch Deutschland machen.
 
Seit Jahren sind die feministischen Bewegungen aus Lateinamerika hier in Deutschland und auch in Europa Thema: Die Bewegung gegen Feminizide in Mexiko, die Bewegung für die Legalisierung von Abtreibungen in Argentinien oder der feministische Streik mit Millionen Teilnehmerinnen zum 8. März in Chile. Sie scheinen wie Leuchttürme und werden als Vorbilder in Europa diskutiert.

2019 entbrannten in Chile soziale Proteste. Dieser Aufstand ging um die Welt. Es war ein Kampf gegen den Neoliberalismus, für eine andere, eine gerechtere Gesellschaft, für ein Jenseits des Kapitalismus. Dieser Aufstand endete spätestens mit einem Referendum für eine neue Verfassung, die die Verfassung des Diktators Augusto Pinochet ablösen sollte. Dieses Referendum endete jedoch mit einer schallenden Ohrfeige für alle Befürworterinnen und Kämpfenden. Die neue Verfassung wurde von der Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt. Auch in diesem Kampf, sowohl des Aufstandes, aber auch um das Referendum, waren Frauen als kämpfende Subjekte vielfach präsent.

Was ist geblieben?  Neben zahlreiche Verletzten mit bleibenden gesundheitlichen Schäden gibt es auch eine dreistellige Anzahl von Aktivist:innen in Gefängnissen. Eine spektrenübergreifende Solidaritätsstruktur für die politischen Gefangenen gibt es dort allerdings nicht; auch keine Gelder um Anwält:innen zu finanzieren.
Eine Besonderheit in Chile ist die starke Bezugnahme der chilenischen Bewegungen nicht nur auf die gegenwärtigen politischen Gefangenen, sondern auch auf die historische Repression der Pinochet-Diktatur. Der Militärputsch von 1973 jährt hier dieses Jahr zum 50. Mal. Der „Unidad Popular“ unter dem gewählten sozialistischen Präsidenten Salvador Allende wurde durch das Militär brutal ein Ende gesetzt. Der Kampf gegen die Diktatur war durch Bilder, Sprüche, Lieder und inhaltliche Bezüge im Aufstand von 2019 präsent. So bleibt der Kampf und die Hoffnung auf eine bessere, gerechtere Welt bestehen.

Die Aktivistinnen Antonia und Elisa aus Santiago de Chile berichten über die aktuellen Entwicklungen und vergangenen Kämpfe in Chile. Was haben die Erfahrungen der sozialistischen Regierung als Aufbruchsmoment, aber auch der folgenden Putsch mit den Kämpfen von heute zu tun? Welche Kontinuitäten gibt es, welche Brüche haben sich ergeben und wie kann ein feministisches Gedenken an dieses Ereignis aussehen? Darüber wollen wir diskutieren.


Veranstalter:innen: AStA der Universität Bielefeld und Rote Hilfe Ortsgruppe Bielefeld, in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW

Standort

Kontakt

Rosa-Luxemburg-Stiftung Nordrhein-Westfalen

Telefon: 0203 3177392