Publikation Erinnerungspolitik / Antifaschismus - Rassismus / Neonazismus - Kommunikation / Öffentlichkeit Mal nach den Rechten schauen

Neuer Podcast zu nationalsozialistischen Kontinuitäten im Recht und in der juristischen Ausbildung

Information

Die Fragen nach der Rolle des Rechts im Nationalsozialismus und den personellen Kontinuitäten war lange Zeit eine unbeachtete Randnotiz.

Gerade im etablierten rechtswissenschaftlichen Diskurs treffe die Frage nach den Überbleibseln der NS-Diktatur in Recht und Gesellschaft auf erhebliche Vorbehalte und Schweigen, so die Podcast-Macher*innen, selbst praktizierende und angehende Jurist*innen.

Ihr Podcast «Mal nach dem Rechten schauen» soll mit diesem Tabu brechen. Unterstützt wird der Podcast von der Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW.

Wie wurden nationalsozialistische Rechtsvorstellungen implementiert? An welchen Stellen wird auch heute noch nationalsozialistisches und damit rassistisches, antisemitisches, sozialdarwinistisches Gedankengut im deutschen Rechtssystem konserviert?

Der Podcast möchte diese Fragen beantworten. Die Macher*innen widmen sich den Lücken in der Aufarbeitung des Nationalsozialismus und dem Umgang von Behörden und juristischen Fakultäten mit regimetreuen Jurist*innen.

Es geht um unseren Sprachgebrauch, feministische Perspektiven auf das Recht, die Biografien und Widerstandshandlungen antifaschistischer Jurist*innen damals und heute.

Ihr findet den Podcast überall, wo es Podcasts gibt.

Folgen
  • Folge 1: Jura umbenennen
    Otto Palandt war ein hochrangiger Nazi-Funktionär. Ab 1934 war er Leiter des Reichsprüfungsamtes und hat in dieser Funktion die juristische Ausbildung maßgeblich im Sinne des Nationalsozialismus verändert. Trotzdem wurde nach ihm der wichtigste Zivilrechtskommentar zum BGB aus dem Hause Beck benannt. Wie kann das sein?
  • Folge 2: Weggefallen
    Schlägt man den §175, welcher homosexuelle Handlungen von Männern unter Strafe stellte, im Strafgesetzbuch heute auf, findet sich dort nur noch ein einziges Wort: „weggefallen“, denn der Tatbestand wurde 1994 aufgehoben. Welche Geschichte hinter dem Wort „weggefallen“ steckt, wird in dieser Folge besprochen.
  • Folge 3: Widerstände
    Als jüdischer Sozialdemokrat wird Fritz Bauer von den Nationalsozialisten festgenommen und kann später ins Exil nach Dänemark entkommen. Er überlebt den Krieg und kehrt 1949 zurück nach Deutschland, wo er schließlich als Generalstaatsanwalt in Frankfurt die Auschwitz-Prozesse initialisiert. Mit seinem Einsatz für die rechtliche Aufklärung der NS-Verbrechen schreibt er Geschichte. Doch trotzdem ist er vielen Jurastudent*innen heute unbekannt.
  • Folge 4: Palandt umbenannt
    Nach fast 5 Jahren seit der Gründung der Intiative "Palandt umbennenen" kündigte der Beck Verlag nun an „Namen von Juristen, die in der NS-Zeit aktiv waren, werden auf den Titeln nicht beibehalten“.

Weitere Infos unter https://www.malnachdenrechtenschauen.de